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29.04.2012 Kategorie: Allgemeines
Von: Reinhard, Scharnhorst

Leitbild für Wulfelade ? !

Am 20. Juni 2012 findet in Wulfelade die Besichtigung im Vorentscheid des Dorfwettbewerbes auf Landesebene statt. Da ein Leitbild ein punkterelevantes Bewertungskriterium im Wettbewerb ist, hat sich der Arbeitskreis Dorfwettbewerb/Dorfentwicklung Gedanken hierzu gemacht und stellt nachfolgend zwei alternative Entwürfe zur Diskussion. Auf Anregungen bzw. Ergänzungen freuen sich reinhard.scharnhorst@t-online.de und martin.suhr@web.de


Leitbild Wulfelade - Entwurf 1

Vorwort

Ein Leitbild kann dabei helfen, sich auf der Grundlage einer Bestandserhebung seiner Situation bewusst zu werden und gemeinsam Ziele zu erarbeiten und deren Umsetzung voranzutreiben. Klare Regeln, ein respektvoller, offener und ehrlicher Umgang miteinander und ein weitreichendes Einvernehmen schaffen das Vertrauen, um die notwendigen Veränderungen ideenreich anzugehen und zielstrebig umzusetzen.

Wulfelade – ein Dorf mit Vergangenheit und Zukunft

Wulfelade ist ein lebendiges kleines Haufendorf am Unterlauf der Leine. Es liegt landschaftlich sehr schön im abwechslungsreichen Übergang von der Leinemarsch zum pleistozänen Geestrücken mit Moor- und Waldflächen und ist urkundlich erstmalig um 1107 in Aufzeichnungen des Abtes Erkenbert (Registrum Erkenberti) als Herrenhof des Klosters Corvey erwähnt. Wulfelade ist bis in die heutige Zeit stark durch die Landwirtschaft geprägt, mehr als 650 der insgesamt 710 Hektar großen Gemarkungsfläche werden land- und forstwirtschaftlich genutzt. Im selben Maße, wie der anhaltende Strukturwandel in der Landwirtschaft jedoch dazu geführt hat, dass nur noch wenige der rund 400 Einwohner ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft bestreiten, hat sich Wulfelade in den letzten Jahrzehnten auch zu einem liebens- und lebenswerten Wohnstandort in landschaftlich schöner Umgebung entwickelt, so dass die Einwohnerzahl entgegen dem allgemeinen Trend in Zeiten des demografischen Wandels sogar leicht angestiegen ist. Daran haben neben einem ausreichendem Baulandangebot sicher auch die gute intakte Dorfgemeinschaft und ein relativ überschaubares und „heiles“ Umfeld ihren Anteil. Zunehmend gewinnen aber z. B. auch wohnortnahe Arbeitsplätze, vor allem im Handwerk an Bedeutung und Wulfelade entwickelt sich parallel dazu mehr und mehr zu einem Standort für die Energiegewinnung aus regenerativen Energiequellen wie Wind, Sonne und Biomasse.

Den Herausforderungen der heutigen Zeit, die vor allem durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft, die zunehmende Mobilität der Menschen, den demografischen Wandel mit rückläufiger und gleichzeitig alternder Bevölkerung, den technischen Fortschritt und den sich verändernden Lebensgewohnheiten und der aufgrund zur Neige gehender fossiler Brennstoffe absolut notwendigen Energiewende geprägt sind, gilt es sich zu stellen. Wir wollen das Unwiederbringliche nicht bejammern, sondern die Herausforderungen der Gegenwart annehmen und uns zukunftsfähig aufstellen.

Standortsicherung der Landwirtschaft im Einklang mit Wohn- u. gewerblicher Nutzung

Die Landwirtschaft prägt unser Dorf und die umgebende Kulturlandschaft. Ohne die Landwirtschaftlichen Betriebe und deren Wertschöpfung vor Ort würde das Dorf veröden. Die Zukunft der existenzfähigen landwirtschaftlichen Betriebe soll deshalb vorrangig und nachhaltig gesichert werden. Dabei sind Konflikte mit anderen Nutzungen, insbesondere der Wohnnutzung bei der Abwägung divergierender Interessen möglichst zu vermeiden, zumindest aber auf der Grundlage von Toleranz und gegenseitiger Rücksichtnahme zu minimieren.

Schaffung von Einkommensalternativen für die Landwirtschaft

Der relative Preisverfall bei klassischen landwirtschaftlichen Produktionsgütern wie z. B. Getreide, Kartoffeln, Milch u. a. war in den vergangenen Jahrzehnten enorm. Getreu dem Motto „Wachsen oder Weichen“ hat die Landwirtschaft darauf reagiert, indem die niedrigeren Gewinnmargen durch Produktivitätssteigerung in immer größeren Betrieben abgefangen wurden. Die Zahl der Betriebe ist dabei drastisch zurückgegangen. Infolgedessen werden auch in Wulfelade mittel- bis langfristig schätzungsweise nur 2 bis 3 Betriebe übrig bleiben. Eine Alternative zum „Wachsen oder Weichen“ kann die Erschließung alternativer Einkommensquellen z. B. im Bereich der regenerativen Energiegewinnung oder im Tourismus sein. Bemühungen mit diesen Zielen wollen wir deshalb nach Kräften unter Wahrung der Interessen des Gemeinwohls fördern und dafür Sorge tragen, dass von dieser zusätzlichen Wertschöpfung vor Ort möglichst breite Kreise der Bevölkerung profitieren.

Erhaltung bestehender und Schaffung neuer wohnortnaher Arbeitsplätze

Die Menschen im 21. Jahrhundert werden immer mobiler, doch Mobilität hat ihren Preis. Die meisten Arbeitnehmer pendeln tagtäglich nach Neustadt, Hannover oder in andere Städte und Gemeinden des Umlandes aus, verbunden mit einem hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand teils auch zu Lasten der Umwelt. Die in früherer Zeit zahlreichen Arbeitsplätze in der Landwirtschaft sind rar geworden. Mit einem kleinen Gewerbegebiet vor allem für einheimische Handwerksbetriebe am „Raiffeisenweg“ hat hier eine Umsteuerung begonnen. Dieses Gewerbegebiet soll bei Bedarf erweitert werden. Daneben bieten mehrere auslaufende Hofstellen vielfältige Möglichkeiten der Umnutzung für nicht störendes Gewerbe, sonstige gemischte Nutzung oder auch für generationen- oder familienübergreifende Wohngemeinschaften. Inzwischen gibt es die bemerkenswerte Zahl von rund 70 gewerblichen Arbeitsplätzen im Ort. Diese Entwicklung gilt es weiter zu fördern und voran zu treiben.

Wohnangebot für Einheimische und Zuzugswillige

In Zeiten des demografischen Wandels ist Wohnungsmangel eher kein Problem. Ein zeitgemäßes Wohnungsangebot ist dennoch nicht immer gegeben. Die an Hand einiger positiver Beispiele in Wulfelade bereits erfolgte Umnutzung landwirtschaftlicher Resthofstellen zu Wohnzwecken ist für manch einen aber eine zu große Herausforderung. Mietwohnraum steht nur in ganz wenigen Einzelfällen zur Verfügung. Deshalb wurde nach Anschluss Wulfelades an die zentrale Schmutzwasserbeseitigung der Stadt 1996 zunächst das Baugebiet „Am Denkmalsplatz“ mit ca. 15 Wohneinheiten ausgewiesen, das relativ schnell bebaut wurde. Mit dem Baugebiet „Im Dorfe“ sind 2010 ca. 12 weitere Bauplätze ausgewiesen worden, so dass die einheimische Bevölkerung die Möglichkeit hat, im Ort ihren Traum vom eigenen Heim zu verwirklichen. Die Beschränkung der Bebauungsmöglichkeit auf den Kreis der sogenannten „Einheimischen“ erscheint vor dem Hintergrund des demografischen Wandels nicht mehr zeitgemäß. Wir wollen daran arbeiten, diese Beschränkungen weiter zu lockern bzw. ganz aufzugeben.

Flurbereinigung und Dorferneuerung zur Unterstützung vorgenannter Maßnahmen

Es wird angestrebt, die Feldflur der Gemarkung Wulfelade im Rahmen einer Flurbereinigung auf die heutigen Bedürfnisse und den aktuellen Stand der Mechanisierung in der Landwirtschaft neu zu ordnen und dabei die Belange des Natur- und Landschaftsschutzes zu verbessern. Die heute anzutreffenden Parzellierungen und Eigentumsstrukturen entsprechen noch weitgehend dem Stand der Verkoppelung von 1842 und sind nicht mehr zeitgemäß. Das Wege- und Gewässernetz soll dabei neben den Anforderungen der Landwirtschaft auch den Bedürfnissen der Freizeitnutzung (Wandern, Radfahren, Reiten usw.) genügen. Eine Dorferneuerung im alten Ortskern kann die notwendigen strukturellen Veränderungen im Bestand unterstützen. Im ILEK „Steinhuder Meer/Unteres Leinetal“ ist deshalb ein entsprechendes Dorferneuerungsvorhaben bereits angemeldet worden. Wir wollen uns gemeinsam bemühen, in die entsprechenden Fördermaßnahmen aufgenommen zu werden und zunächst einen Dorfentwicklungsplan erarbeiten.

Förderung der Dorfgemeinschaft

Die Dorfgemeinschaft in Wulfelade wird wesentlich getragen durch die örtlichen Vereine Dorfgemeinschaftsverein, Waldbadverein, Turn- und Sportverein, Schießgruppe, Soldatenkameradschaft und die Freiwillige Feuerwehr. Daneben gibt es die Realverbände der Jagdgenossenschaft und der Forstgenossenschaft und die Windparkinteressentenschaft. Neben dem Ortsrat und den städtischen Institutionen kümmern sich diese Vereine, Verbände und Institutionen neben ihren ureigensten Aufgaben auch um Fragen des Gemeinwesens im Ort und nehmen soziale Verantwortung wahr, z. B. in der Jugendarbeit und Altenbetreuung. Durch die Vielzahl der Vereine und Institutionen und die relativ kleine Zahl von nur rund 400 Einwohnern gibt es häufig Mehrfachmitgliedschaften in diesen Gremien, was hier und da auch eine Überforderung darstellen kann. Die Unterstützung der Vereine und Institutionen durch aktive Mitgliedschaft oder in anderer Weise ist unserer aller Aufgabe zum Wohle des Dorfes.

Erhalt der dörflichen Infrastruktur

Die dörfliche Infrastruktur ist grundsätzlich nicht vergleichbar mit der in Städten oder größeren Orten. Das was in den vergangenen Jahrzehnten hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen an infrastrukturellen Dingen im Dorf verloren gegangen ist (Grundschule, Bäckerei, Schlachtereiverkauf, Lebensmittelgeschäfte, Raiffeisen-Warengenossenschaft mit Bankfiliale) lässt sich kaum zurückholen. Umso wichtiger ist es, das noch Vorhandene als dörfliche Infrastruktur zu erhalten. Hierzu gehören vor allen Dingen das Waldbad, Sportplatz mit Vereinsheim, Spiel- und Bolzplatz, die beiden Gaststätten mit Restauration und Saalbetrieb, das Dorfgemeinschaftshaus und andere Vereinseinrichtungen sowie Tankstelle mit Kfz-Waschplatz und Hofverkaufsstellen. Die mobilen Einzelhandelsgeschäfte ergänzen das Einzelhandelsangebot in den Bereichen Backwaren, Tiefkühlkost, Fertiggerichte Frischfisch, Frischgemüse und Obst, Milchprodukte. Nur indem man diese Angebote nutzt, trägt man zu deren Existenzsicherung und damit zum Erhalt bei.

Wulfelade als Energiedorf sichern und weiter ausbauen

Der regenerativen Energiegewinnung gehört die Zukunft. Es ist die einzig mögliche Form die umweltschonend und nachhaltig den Energiebedarf der Menschen stillen kann. Wulfelade hat bei der Stromerzeugung durch Windenergieanlagen WEA im Binnenland bereits in den frühen 90-er Jahren eine gewisse Vorreiterrolle gespielt. Ebenso hat eines der landesweit ersten Repoweringprojekte hier stattgefunden. Wulfelade steht der regenerativen Energiegewinnung grundsätzlich sehr positiv gegenüber. Dieses setzt allerdings voraus, dass die schutzwürdigen Belange der Bevölkerung bei allen Vorhaben angemessen berücksichtigt werden und dass das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung – auch in der freien Natur – weitestgehend gewahrt bleibt. Die Partizipation der Allgemeinheit an den Erlösen fördert das Verständnis für solche Vorhaben und macht die Wertschöpfung vor Ort an konkreten Projekten sichtbar.

Leitbild Wulfelade - Entwurf 2

Ortsbeschreibung

Wulfelade ist zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Leitbildes ein, seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung, mehr als 900 Jahre altes Haufendorf am Unterlauf der Leine im Stadtgebiet der Stadt Neustadt am Rübenberge.
Die Siedlungsstruktur in Wulfelade reicht vom alten Ortskern im Süden, über ein Siedlungsgebiet im Norden, bis zu einzelnen Gehöften in der Peripherie der Ortslage. Im Osten schließen sich der Sportplatz und das Waldbad an, im Norden gehört ein Windpark zum Dorf.
Zur Eigenentwicklung stehen Wulfelade ein Neubaugebiet sowie einige Baulücken zur Verfügung.
In jüngerer Vergangenheit gelang es in Wulfelade durch die Ausweisung eines kleinen Gewerbegebietes die Anzahl der gewerblichen Arbeitsplätze im Ort deutlich zu erhöhen.
Obwohl die Gemarkung Wulfelades stark durch die Landwirtschaft geprägt ist, verdienen nur noch wenige der 400 Einwohner ihren Lebensunterhalt vor Ort in der Landwirtschaft.

Bürger

Die Wulfelader pflegen eine gute intakte Dorfgemeinschaft. Dieses geschieht vor allem in den vielen ortsansässigen Vereinen, der Feuerwehr, den beiden Gaststätten, durch kirchliches Engagement und Nachbarschaftshilfe.
Aufgrund der Größe der Ortschaft Wulfelades, kennen sich die Bürger noch untereinander und sind in der Lage an einem Strang zu ziehen, wie die Erhaltung des Waldbades, der Bau von Ortsstraßen in Anwohnereigenregie oder die 900-Jahr-Feier im Jahr 2007 eindrucksvoll belegen.

Allgemeine Ziele

Die Zufriedenheit der Wulfelader Bürger miteinander, mit unserem Ort und der Umgebung gilt es zu erhalten und zu verbessern.
Wir entwickeln gemeinsame Ziele, informieren und diskutieren darüber. Unsere Lebensqualität steigern wir durch gemeinsames Handeln, Zuverlässigkeit und die Unterstützung der Ideen anderer. Wir schätzen unsere Mitmenschen wert und behandeln jeden, wie wir selbst behandelt werden wollen.

Konkrete Ziele

  • Erhalt von wohnortnahen Arbeitsplätzen durch in Einklang bringen von Landwirtschaft, Gewerbe und Wohnort.

    • Fragen:

      • Was brauchen wir?
      • Was bekommen wir am Ort?
      • Worauf können wir verzichten?

  • Schaffung von Einkommensalternativen vor Ort.

    • Fragen:

      • Rechnerisch ist Wulfelade längst energieautark.
      • Warum profitieren nicht mehr Wulfelader davon?
      • Bürgerwindrad
      • Nutzt nicht eine zentralisierte Direktvermarktung im Ort allen Anbietern und Verbrauchern?

  • Die im Ilek angemeldete Dorferneuerung vorantreiben.

    • Fragen:

      • Wer sieht Vorteile für sich?
      • Warum nicht als Sparte im Dorfgemeinschaftsverein auftreten, um mit Mitstreitern für eine breitere Basis zu sprechen.

  • Flurneuordnung vorantreiben und dadurch die Schaffung von Naturschutz und Ruhezonen im Ortsgebiet auch zur Naherholung fördern

    • Fragen:

      • Wie bringt man landwirtschaftlich vernünftige Flächen mit Naturschutz und Ruhezonen für Mensch und Tier zusammen?
      • Welche Akteure müssen an einen Tisch?

  • Förderung der Dorfgemeinschaft auch durch Erhalt der örtlichen Infrastruktur (Waldbad, Sport + Spielplatz, Gaststätten, Vereinsheime, Dorfgemeinschaftshaus).

    • Fragen:

      •  Wann hat man sich zum letzten Mal mit seinem Nachbarn/Nachbarin über den Gartenzaun unterhalten?
      • Wann war man das letzte Mal bei einer Veranstaltung im Dorf?

    • Aufruf:

      • Kommt raus und unternehmt etwas mit anderen!

    • Es gilt:

      • viele Hände, schnelles Ende!
      • Und wer gut zusammen gearbeitet hat, kann auch gut zusammen feiern.

  • Ausbau und Verbesserung der Nutzung regenerativer Energien – dabei Erhalt der abwechslungsreichen Kulturlandschaft.

    • Fragen:

      • Sind wir bereit regenerative Energien stärker als bisher vor Ort zu nutzen und welche Alternativen gibt es?
      • Wie kann die bisherige Nutzung umweltverträglicher und schonender gestaltet werden?
      • Ist eine Nutzung nachwachsender Rohstoffe Umwelt, Einwohner und Wegeschonend möglich (und wie?)?